Ein kleiner Blick in die Vergangenheit.

Vor einigen Jahren, hatte ich eine Wohnung. Sie war mit 3 Zimmern und 80 qm² vielleicht nicht die größte aber sie war schön. Das Badezimmer war it Sandstein gefliest und die Wände ebenso. Darin stand meine Waschmaschine, dort hang ein schöner, großer Kristallglasspiegel und darin stand ein weißer Ratanbadezimmerschrank mit herausnehmbaren Körben. Als Schlafzimmer hatte ich mir den kleineren Raum herausgesucht weil ich lieber in einem etwas engeren Raum schlafen wollte. Im Schlafzimmer hatte ich schöne, dunkelrote Vorhänge. Ein Bett in dem Sinne hatte ich nicht, nur zwei Matratzen die ich auf dem Boden liegen hatte mit einem schönen Holzrahmen drumherum. Den hatte der Vater meines damaligen Freundes gemacht und mit einigen Schnörkeln verziert. Als Kleiderschrank hatte ich den, aus dem Nachlass der Oma meines Freundes. Dunkles Holz mit einem leichten Rotstich. Er war einfach, ohne Schnitzerreien oder sonstigem Firlefanz. aber er hatte geschwungene Türen, also solche die nicht wie bei normalen Türen gerade sind, sondern so Ausbeulungen hatten. Unter dem Kleiderschrank stand noch das Jahr eingebrannt an dem er gebaut wurde, nämlich 1932!
Auch im Schlafzimmer hang ein Spiegel. Ich hatte zwei Nachttische und eine Schminkkomode die ganz im Stil der 60er Jahre in Ostdeutschland waren. Alle drei hatten auflegbare Glasscheiben so das man auf die Nachttische zum Beispiel Deckchen legen konnte und dann das Glas drüber. Der Schminktisch hatte einen aufklappbaren Spiegel und mehrere Schubladen mit Kristallgriffen. Im Flur stand ein kleiner Telefontisch. Chippendale von der ehemaligen Arbeitgeberin meiner Oma. Ich hatte den Schrank als Kind immer so schön gefunden wenn meine Oma mich mitgenommen hatte wenn sie putzen ging.
Die Küche war auch mit Sandstein gefliest und darin stand mein großer Kühlschrank mit riesigem Gefrierfach unten drunter. Daneben stand noch ein reiner Gefrierschrank für das Tierfutter. Als Möbel hatte ich unbehandeltes Holz, eher im Bauernstil (ich komme gerade absolut nicht darauf wie sich der Stil schimpft) Keine Mikrowelle denn sowas mag ich nicht. Der Herd war nagelneu.
Das Wohnzimmer hatte als einziger Raum Teppich. Darin stand meine riesige Couch. Eine Eckcouch mit einer sehr tiefen Sitzfläche und haufenweise Kissen. Der Fernsehtisch war eher nur Deko, zwar stand da auch ein Fernseher drauf aber ich persönlich hab selten Fern gesehen. Aber der TVtiisch war schön. aus dunklem Holz mit Glasscheiben unten wo die Fächer waren. Desweiteren standen zwei Schreibtische darin, für die zwei Rechner. Der eine war ein alter Herrenschreibtisch, riesengroß und bullig. Der andere ein eher neuer Tisch mit ausfahrbaren Flügeln falls man mal etwas mehr Platz brauchte. Mein Wohnzimmertisch war ebenfalls riesengroß, zum ausklappen. Ich hatte im Wohnzimmer auch einen normalen Wohnzimmerschrank auch wenn ich ihn eigentlich nicht haben mochte aber er passte zum Fernsehschrank. Die große Fensterfront wo es ab ging zum Balkon hatte selbstgenähte Vorhänge und Gardinen, genau wie das kleinere Fenster. Aus dem Balkon stand der Käfig für meinen Hasen und ich hatte die Blumenkästen brav bepflanzt.
Im dritten Zimmer stand mein alter Esszimmertisch den ich mal von einer Arbeitskollegin meines Opas gekauft hatte als diese umziehen musste. Ein riesiges Teil. Er war auch aus dunklem Holz mit diesem Rotstich, genau wie der Kleiderschrank. Unter der Platte lag noch eine weitere Holzplatte die man in die Mitte des Tisches legen konnte wenn man ihn auszog. Dazu hatte ich von ihr noch vier Stühle bekommen die aus Rohren zusammengeschweißt waren und irgendwie total zu dem alten Tisch passten weil sie eher modern waren. Gegensätze ziehen sich halt an. Die vier großen Bücherregale hatte ich gekauft als ich nach Magdeburg gezogen bin, von meiner letzten Kohle die ich nach dem Umzug noch hatte. Sie waren natürlich voll mit Büchern.
Und vor der Woohnung, ja da stand ein 'Kastenwagen'! Ein neuer Citroen Belingo in weiß :P gehört sich halt so bei einem Firmenwagen mit Firmenwerbung drauf.
Wie sah mein Leben denn so aus? Ich stand früh morgens auf, weil ab 8 Uhr das Kundentelefon schon begann zu klingeln. Ab in die Küche, einen Kaffee aufsetzen, dann mit dem Hund raus. Ab wieder in die Wohnung, schnell den Hund gefüttert und beim verlassen der Küche einen Kaffee geschnappt. Balkontüre auf, damit Frischluft reinkam, dabei mit dem Kaffee in der Hand den Hasen aus seinem Käfig gelassen das er seiner liebsten Beschäftigung nachgehen konnte... auf dem Balkon rumrennen. Dann gings an den Rechner. Zuerst einmal den Anrufbeantworter abhören, denn das dicke Telefon mit Fax stand an meinem Schreibtisch. Meistens waren morgens schon drei Bestellungen auf Band. Die hab ich dann eingetragen und danach meine Mails durchgesehen. Noch mal ca. 20 Bestellungen eingetragen. Dann gings los. Mit der Zeit merkt man, wann das Telefon am meisten klingelt und wann nicht. Von 8 bis 11 Uhr klingelte ca. im Minutentakt das Telefon und Leute belaberten mich mit ihrem Schwachsinn. Aber alles kein Problem. Ich fand nebenbei sogar noch Zeit zum zocken, damit mein Kopf nicht vollkommen matsche wurde. Um 11 Uhr dann schnell einkaufen und noch mal mit dem Hund, das musste in einer Stunde erledigt gewesen sein denn ab 12 Uhr lief das Telefon wieder heiß durch die, die da Mittagspause hatten. Immer wieder Mails nachgucken und neue Bestellungen eintragen. Zwischendrinne noch spülen, Wäsche waschen, Wohnung machen, mit dem Hasen kuscheln. Da mein damaliger Freund sich irgendwann gegen 14 Uhr meist auch aus dem Bett bewegt hatte, da dann auch noch brave Hausfrau spielen und dem Herren Essen machen. Gegen 18 Uhr hab ich angefangen die Rechnungen für den Tag anzuweisen und an den Vater meines Freundes zu schicken der die mit seinen eigenen jedes mal rausschickte. Noch mit dem Lieferanten telefonieren wie jeden Tag wenn sich in der Bestellliste was änderte was jeden Tag vorkam. Wenn das alles fertig war, war es auch schon abends. Dann vielleicht noch im Teamspeak mit ein paar Leuten aus meinem damaligen MMORPG und nebenbei die Nase in diverse Tierarztbücher... immerhin verkaufte ich damals Hundefutter und wurde immer wieder mit Fragen bombadiert deren Antwort ich als Vertreiber nunmal wissen musste. Abendessen kochen. Der Herr von und zu hatte derweil den ganzen Tag auf der Couch gelegen und NICHTS gemacht. Ging aber gegen 23 Uhr totmüde ins Bett während ich dann endlich mal Feierabend hatte. Schnell in die Wanne, noch mal mit dem Hund, Hasen wieder einfangen und wegsperren. Ab an den Rechner. Um 0 Uhr Kundentelefon abschalten und den AB seine Arbeit machen lassen. Meist bin ich dann zwischen 1 und 2 Uhr ins Bett um dann am nächsten Morgen wieder um 6 aufzustehen und den selben Mist wie am Tag davor zu machen. Tja, was hatte ich davon? Im Schnitt um die 2500 Euro im Monat, neue Klamotten im Schrank, mal eben eine neue Couch wenn eine gebraucht wurde, den Kühlschrank immer voll und wenn man etwas anstand was man nicht mal eben so bezahlen konnte, dann halfen die Eltern von meinem damaligen Freund aus.
Mein Leben war damals stressig, ich war in einer Beziehung in der ich nicht sein wollte aber bis auf die Beziehung habe ich mein Leben geliebt!

22.3.12 05:20
 


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